Mit Irrwurz auf Entdeckungsreise

 

 

RÄUCHERN - DER DUFT DES HIMMELS

Die Geschichte des Räucherns reicht bis in die Vor- und Frühgeschichte der Menschheit zurück. Es beginnt mit der Entdeckung des Feuers und der Feststellung, dass Hölzer und Harze im Feuer Duft verströmen. Unsere Vorfahren merkten, dass unterschiedliche Holzarten jeweils anders duften und anders auf das Wohlbefinden einwirken. Es schwingt im Rauch der Harze, Hölzer und Kräuter auch immer die Seele der Pflanze und der jeweilige Pflanzengeist mit und gibt seine Kraft mit dazu.

So wird Räuchern seit Jahrtausenden in vielen Kulturen zu magischen und rituellen Zwecken eingesetzt. Es findet Verwendung in vielen religiösen Zeremonien und wird in Heilritualen und zur Abwehr böser Geister eingesetzt. Dabei hat jede Kultur ihre eigenen Traditionen und Techniken des Räucherns entwickelt.

Mit Räuchern wurden, neben seiner magischen Verwendung, die Behausungen von lästigem Getier befreit und unangenehme Ausdünstungen der Bewohner überdeckt. Es wurden (und werden immer noch) damit Lebensmittel haltbar gemacht und aromatisiert.

In neolithischen Siedlungen Skandinaviens fanden Archäologen Reste von Räucherkuchen, einem Gemenge aus Harzen, Kräutern und Birkenpech.

Bereits in der Antike wußte man um die heilende Wirkung des Räucherns. Die Händler duftender Kräuter und Harze informierten ihre Kunden auch über die gesundheitlichen Aspekte ihrer Ware.

Der römische Historiker Tacitus wies darauf hin, dass bei den Germanen bei Feuerbestattungen bestimmte Hölzer mit verbrannt wurden. Aus Funden läßt sich darauf schließen, dass dabei u.a. Wacholderholz mit ins Feuer gegeben wurde.

Im 18. Jahrhundert ging man mit Räuchern gegen Infektionen und Epidemien vor. Man glaubte, dass Krankheitserreger in miefiger Luft herumwabern und durch den Duft der Räucherstoffe vertrieben werden. Ganz abwegig erscheint dies aus heutiger Sicht nicht, enthalten doch viele Pflanzen und Harze keimtötende Wirkstoffe.

Zur Weihnachtszeit beliebt sind die Räucherkerzen, die in Räuchermännchen glühen (siehe Bild oben). Räucherkerzen dienten ursprünglich als Heilmittel bei Lungenleiden. Die Herstellung der Räuchermännchen ist eine alte Volkskunst aus dem Erzgebirge.

Fester Bestandteil christlicher Liturgie ist der Weihrauch und gilt als Zeichen der Gegenwart Gottes. Im Weihrauch steigen die Gebete der Gläubigen zu Gott auf.

Die Schamanen machen sich den Rauch zunutze, um mit ihm Kontakt zur Geisterwelt herzustellen und in die Anderswelt zu reisen. Der Rauch steigt auf und verbindet Erde und Himmel, Menschen und Geister. Die Pflanzen, die dazu verwendet werden, haben teilweise halluzinogene Wirkung und steigern das Bewußtsein und die Wahrnehmung.

Eine typische Räucherpflanze der Natives Nordamerikas ist der Steppenbeifuß. Mit seinem Rauch werden Mensch und Tier, Räume und Gegenstände gereinigt und gesegnet. Er vertreibt schlechte Energien und hebt das Bewußtsein an. Auch Wermut, Zeder und Süßgras sind bei ihnen beliebte Räucherpflanzen. Aus Süßgras, dem "Haar der Mutter", werden Zöpfe geflochten und zum Glimmen gebracht.

In unserem Kulturkreis sind die wichtigsten Räuchertermine die zu den Rauhnächten: die Thomasnacht (längste Nacht des Jahres), Heilig Abend, Silvester und der Abend vor Heiligdreikönig. In den Rauhnächten in der Zeit zwischen den Jahren gehen nach altem Glauben Geister und Dämonen um, und die Wilde Jagd stürmt über das Land. Die Bannkraft des geweihten Rauches soll diese von Haus und Stall fernhalten und dafür das Glück einladen. Das Räuchern muß vor dem Gebetsläuten erfolgen, sonst kann eine Hexe in den Stall gelangen. In eine alte Pfanne wird Glut von Karsamstagkohlen gegeben und Weihrauch darauf verteilt. Auch Teile der an Palmsonntag geweihten Palmkatzln und Kräuter aus dem "Frauenbüschl" von Mariä Himmelfahrt werden mit verräuchert. Das gesamte Anwesen wird ausgeräuchert und mittels Rosmarin oder einem Buxzweig mit Weihwasser besprengt. Ein Gebet begleitet dieses Ritual: "Vater unser im Himmel, schütze dieses Haus, Glück herein, Unglück hinaus."

Die geweihten Palmkatzln und Kräuter werden auch bei drohendem Unwetter in das Herdfeuer geworfen. Der Rauch, der daraufhin aufsteigt, soll vor Schäden bewahren: "Wo a Herdfeia brennt, schlogd koa Weda ned ei."

Wie wird geräuchert?

Es gibt zwei Arten zu räuchern:

1. Auf glühender Kohle: In eine feuerfestes Gefäß etwas Sand geben. Ein Stück Selbstzünderkohle erst hochkant auf den Sand stellen. Kohle anzünden und warten, bis sie durchgeglüht ist. Wenn sich an den Rändern der Kohle graue Stellen bilden, diese umkippen, so dass sie mit der Mulde nach oben flach daliegt. In diese Vertiefung mit einem kleinen Löffel etwas Räuchergut geben. Die Kohle glüht mehr als eine Stunde. In dieser Zeit kann man nach Bedarf Räuchergut nachlegen.

2. Auf einem Sieb: Bei Räucherstövchen wird das Räuchergut direkt oben auf das Sieb gegeben. Durch die Hitze der Kerzenflamme im Stövchen glimmen die Kräuter und Harze. Unbedingt darauf achten, dass die Flamme nicht zu nah an das Räuchergut kommt und dieses zu brennen anfängt!

Räucherkohle und Räuchergut immer trocken aufbewahren!

Wann wird geräuchert?

Zum Räuchern bieten sich diese Termine im Jahreskreis an: Lichtmess, Frühlings- Tag- und Nachtgleiche, Walpurgis, Sommersonnwende, Schnitterfest, Herbst-Tag- und Nachtgleiche, Allerheiligen, Wintersonnwende sowie zu den Rauhnächten.

Ansonsten kann immer dann geräuchert werden, wenn einem danach ist: bei Verschmutzungen in der Aura, vor und nach Heil- oder Therapiesitzungen, vor Ritualen oder Zeremonien, um Orte, Räum oder Gegenstände zu reinigen oder einfach für eine angenehme Atmosphäre.

Die Pflanzengeister freuen sich übrigens über ein Dankeschön dafür, dass sie ihre Kraft in das Räuchern hineingeben und ihre Pflanzen dafür zur Verfügung stellen!

Buchtipps:

Marlies Bader: Räuchern mit heimischen Kräutern, Goldmann Verlag

Christian Rätsch: Weihrauch und Copal, AT Verlag

Christian Rätsch: Räucherstoffe - Der Atem des Drachens, AT Verlag

Christian Rätsch: Der heilige Hain, AT Verlag