Im Erdstall Reichersdorf (Irschenberg) mit Orbs.

Erdställe

 
Erdstall: “Stelle in der Erde”; unterirdisches, künstlich angelegtes Gangsystem; meist unter Häusern, Kirchen, Friedhöfen, Kellern, bäuerlichen Siedlungen gelegen.

In Bayern werden Erdställe auch Schratzllöcher genannt (Schratzl = Zwerge). Weitere Bezeichnungen sind Zwergenloch, Erdweiblschlupf, Alraunhöhle, Hollerloch, Geisterhöhle, Frauenloch, Jungfrauenhöhle...

Verbreitungsgebiet: Bayern, Österreich (Weinviertel, Waldviertel, Böhmen, Oberösterreich, Steiermark, Burgenland), Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei; vorwiegend in Löss, Lehm, Sandstein oder Flins

Datierung: Erdställe wurden ca. im 10. bis 12. Jahrhundert erbaut

Bauweise: niedrige Gängen und Kammern bilden winkelige Gangsysteme, die durch Schlupflöcher miteinander verbunden sind. Die Gänge können auf mehreren Etagen angeordnet sein oder Rundgänge bilden. In die Wände können Nischen eingearbeitet sein. Oft bildet eine Schlußkammer mit Sitznische den Abschluß der Anlage. 

Zweck: konnte noch nicht eindeutig geklärt werden.

Labyrinthartige, enge Bauweise schließt Nutzung als Vorratsraum, Wasserstollen oder Wohnhöhle aus.

Versteck/Zufluchtsort: dagegen spricht Sauerstoffmangel, Kälte, Feuchtigkeit, begrenztes Raumangebot, keine Entsorgungsmöglichkeit menschlicher Hinterlassenschaften, für schwangere Frauen, dicke, ältere oder behinderte Menschen kaum zugänglich. Keine weitere Fluchtmöglichkeit, wenn der Zugang zum Erdstall von außen verschlossen wird. Ein Aushungern/Ausräuchern wäre möglich gewesen.

Kultstätte: evt. Nutzung für Ahnenkult, z.B. als Leergräber für die Seelen Verstorbener

Manfred Böckl in seinem Buch “Opfersteine, Göttinnenquellen und Druidenthrone” (Ohetaler Verlag): Erdställe wurden da gebaut, wo Kelten gesiedelt hatten. Dort wurden nach der Christianisierung weiter keltisch-heidnische Riten zelebriert. Der vorchristliche Glaube lebte im Schutz der Erde weiter. Sie ermöglichten spirituelle Begegnung mit verstorbenen Ahnen. Nach Böckl wurden keltische Kulte in Erdställen mindestens bis ins 16. Jahrhundert praktiziert.

Weitere Informationen: der Arbeitskreis für Erdstallforschung veröffentlicht in seinen Jahresheften “Der Erdstall” aktuelle Forschungsergebnisse (www.erdstall.de)

 

Top

Reiki und Mineralien, Dagmar Bernhard M.A.  | DagmarBernhard@aol.com