Mit Irrwurz auf Entdeckungsreise

 

 

 

EINFÜHRUNG IN DEN BUDDHISMUS

GESCHICHTE, INHALTE UND GEISTIGE WEGE

Wie eine Mutter ihr einziges Kind,

mit ihrem Leben schützt,

so entfalte man zu allen Wesen

ein unbegrenztes Gemüt.

Und voller Liebe zu der ganzen Welt

entfalte man den Geist ohne alle Schranken:

nach oben, unten und nach allen Seiten,

uneingeschränkt, von Haß und Feindschaft frei.

Buddha Gautama

Buddhismus: ist eine atheistische Religion, da ohne Glauben an einen ewigen Gott bzw. Schöpfergott. Untergräbt mit seinem Glauben ohne Gott die Vorherrschaft der Priester (Brahmanen).

Aus eigener Kraft ist es möglich, sich aus dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt (Samsara) zu lösen und völlig zu erlöschen (Nirvana).

Die Werte buddhistischer Ethik beruhen auf Mitgefühl und Gewaltlosigkeit. Der Buddhismus lehrt die Verbundenheit aller Wesen und die Unvermeidbarkeit des Leides. Dieses Leiden kann durch die Entwicklung von Weisheit (Prajna) und Mitgefühl (Karuna) gelindert werden („Einheit von Weisheit und Mitgefühl").

Es gibt kein beständiges Sein; alles ist ständiges Werden und Vergehen (Anitayata). Da es keine dauerhaften Substanzen gibt, gibt es auch kein Selbst bzw. keine Seele (Nicht-Selbst = Anatman).

Unwissenheit (Avidya) über das wahre Wesen des Ich ist die Quelle allen Leidens.

Drei Kennzeichen des Buddhismus:

1. Nicht-Selbst bzw. Nicht-Wesenhaftigkeit

2. Leidhaftigkeit

3. Vergänglichkeit (siehe auch Heraklit 550-480 v.Chr.: „Alle fließt und nichts bleibt."; „Man kann nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen.")

Siddharta Gautama (ca. 563 bis 483 v. Chr.): Sohn eines Fürsten des Staates der Shakyas in Südnepal; jungfräuliche Geburt in einem Hain bei Lumbini, luxuriöses Palastleben, Heirat, Vater eines Sohnes.

„Vier Begegnungen": mit einem gebrechlichen Greis, einem Schwerkranken, einem Toten und Trauernden, einem Bettelmönch.

Entschließt sich mit 28 Jahren zur „Flucht in die Hauslosigkeit". Übte sich sechs Jahre lang in Yoga, Atemübungen, Askese, Selbstpeinigung und strengem Fasten. Erkannte die Nutzlosigkeit solcher Methoden und wandte sich der Meditation zu. Setzte sich unter einen Feigenbaum (Bodhi-Baum) und durchlebte Stufen von Versuchungen, Kontemplation und Versenkung bis zur Erleuchtung. Erhielt von seinen Anhängern den Ehrentitel Buddha (= der Erleuchtete).

Buddha begegnete den fünf Asketen wieder, mit denen er sich früher kasteit hatte. Sie wurden seine ersten Schüler, und er hielt bei Benares (im Wildpark von Sarnath) seine erste öffentliche Predigt; setzte damit das „Rad der Lehre" in Bewegung. Buddha predigte den „Mittleren Weg" zwischen sinnlicher Begierde und übertriebener Askese.

Aus seiner Anhängerschaft entwickelten sich Mönchs- und Nonnenorden. Führte bis zu seinem Tod (Parinirvana) ein Leben als Wanderprediger.

Buddhas Lehren wurden erst 400 Jahre nach seinem Tod aufgeschrieben (Sutren); bis dahin gab es nur mündliche Überlieferung.

Buddha wollte nicht als Gott oder Prophet gelten. Seine Aufgabe war es, die Lehre (Dharma) zu verkünden. Bis zum 1 Jhdt. n. Chr. gab es keine bildhaften Darstellungen von Buddha, sondern nur symbolhafte wie seinen Fußabdruck oder das Rad der Lehre.

Außer dem historisch belegten Buddha Shakyamuni („Der Weise aus dem Geschlecht der Shakyas") haben unzählige Buddhas vor ihm den Weg zur Erleuchtung beschritten, und auch in Zukunft werden unzählige Lebewesen den Weg zur Erleuchtung vollenden.

Leid: (Duhkha) Unbefriedigender und übergangshafter Charakter des Daseins; das allgemein Unbefriedigende am Leben („Frust").

1. Leid des Leidens: leidvolle Erfahrungen, z.B. Schmerz

2. Leid der Veränderung: Erfahrungen, die man als angenehm empfindet, die aber nicht von Dauer sind.

3. Leid des bedingten Daseins: dem unerleuchteten Dasein zugrunde liegende Unzufriedenheit, Hang zu leidvollen Erfahrungen, Empfänglichkeit für Täuschung und Irrtum.

Vier edle Wahrheiten: Thema des ersten Lehrvortrags von Buddha Shakyamuni

1. Alles Leben ist Leiden: Leiden ist die Grundbefindlichkeit unserer Existenz; es ist die Unerlöstheit, die aus dem geistigen Verhaftetsein der Wesen an die Welt resultiert.

2. Ursache des Leidens ist die Gier: Die Gier nach Freuden, Lust und Besitz läßt die Wesen am Dasein haften und sie von Leben zu Leben treiben. Kurzer Freuden wegen nehmen sie das lange Leiden ständiger Wiedergeburt auf sich.

3. Das Aufgeben dieser Gier bewirkt die Überwindung des Leidens.

4. Der Weg zur Überwindung des Leidens ist der „edle achtfache Pfad":

Edler achtfacher Pfad:

1. Vollkommene Erkenntnis

2. Vollkommene Gedanken

3. Vollkommene Rede

4. Vollkommenes Handeln

5. Vollkommener Lebensunterhalt

6. Vollkommene Anstrengung

7. Vollkommene Achtsamkeit

8. Vollkommene Sammlung.

Wer die edlen Wahrheiten erkannt und den achtfachen Pfad beschritten hat, gelangt zur Erlösung (Nirvana).

Fünf Gelöbnisse: (Shilas)

1. Nicht töten.

2. Nicht stehlen.

3. Nicht lügen.

4. Sexuelles Fehlverhalten vermeiden.

5.Keine berauschenden Mittel nehmen.

Dreifacher Pfad: ethisch-asketische Zucht, Meditation, Erkenntnis

1. Ethisch-asketische Zucht: Liebe zu allen Lebewesen, Toleranz, Feindesliebe, Verbot des Stehlens, geschlechtliche Enthaltsamkeit für Ordensmitglieder, Gutes und Wahres Reden

2. Meditation: über vier Stufen erreicht man einen Zustand vollen Bewußtseins und vollendeten Gleichmuts.

3. Erkenntnis: dreifaches Wissen der Erleuchtung.

a) Wahrnehmen der eigenen früheren Existenzen.

b) Erkennen des Gesetzes des Kreislaufes der Wiedergeburten.

c) Die vier edlen Wahrheiten werden zur eigenen intuitiven Wahrheit.

Drei Juwelen: (Triratna): im Buddhismus nimmt man Zuflucht zum Buddha, Dharma (Lehre) und zur Sangha (spirituelle Gemeinschaft).

1. Buddha: erleuchteter Lehrer, der uns durch Einsicht in die Natur des Geistes den Weg weist

2. Dharma: nur dadurch, daß man die Wahrheit vernimmt, kann man Befreiung finden

3. Sangha: spirituelle Gemeinschaft von Wegbegleitern

Fünf Anhäufungen: (Skandhas) Psychophysische Bestandteile

1. Form, Körper, Materie (Rupa)

2. Empfindung, Gefühl (Vedana)

3. Wahrnehmung (Samjna)

4. Willensäußerung (Samskara)

5. Bewußtsein, Erkennen (Vijnana)

Bilden die Grundlage dafür, daß der Mensch den Eindruck von einem Ich, Selbst oder persönlicher Identität gewinnt und leidet.

Nach dem Tod Buddhas wurde seine Lehre in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt:

Hinayana - das „kleine Fahrzeug": stellt den mönchischen Buddhismus dar (Bettelmönche), der sich um den Heilsweg weniger Auserwählter bemüht. Die individuelle Befreiung steht im Mittelpunkt. Das Ideal ist der Mönch, der sich durch strenge Disziplin von allen Fesseln befreit (Arhat). Ein Arhat bewirkt seine Erleuchtung durch die eigene Anstrengung nur für sich selbst.

Heute v.a. in Südostasien, Thailand, Sri Lanka verbreitet.

Theravada: „Lehre der Alten" oder „Alte Weisheitsschule"; oft als Synonym für Hinayana verwendet, wird bis heute v.a. in Sri Lanka ausgeübt und behauptet von sich, als einzige den wahren Worten Buddhas nachzufolgen. Wichtiger Text ist der Pali-Kanon aus dem 1. Jhdt. vor Christus, der vollständig erhalten ist. Pali ist ein indischer Dialekt und Gelehrtensprache der südlichen Buddhisten.

Mahayana - das „große Fahrzeug": Der Mahayana-Buddhismus entfaltete sich ab dem 1. Jhdt. n. Chr. in Nordindien, und mit ihm entstanden auch die ersten Bildnisse Buddhas. Seine Texte wurden in Sanskrit verfaßt.

Er wendet sich an breite Schichten und bringt alle Wesen zur Erleuchtung, da jeder in sich die Buddha-Natur trägt, die nur geweckt werden muß.

Mahayana ist der Weg, der auf der selbstlosen Motivation (Erleuchtungsgeist = Bodhichitta) beruht und zur Erleuchtung zum Wohle anderer führt. Er betont besonders die Lehren von Liebe und Mitgefühl.

Dem Einzelnen wird auf seinem Weg zum Heil durch Bodhisattvas (Erleuchtungswesen) geholfen, die gleichzeitig das spirituelle Ideal darstellen. Ein Bodhisattva verzichtet freiwillig darauf, ins Nirvana einzugehen (Bodhisattva-Gelübde). In seiner Liebe zu den Menschen steht er ihnen geistig bei, tröstet und unterstützt sie. Alle Wesen sollen auf den Weg des Heils geführt werden.

Drei Arten des ethischen Verhaltens eines Bodhisattvas:

1. Unterlassen von schlechten Handlungen.

2. Aneignen von heilsamen Eigenschaften.

3. Bewirken des Wohles anderer.

„Ist es dir möglich, so hilf anderen. Ist es dir nicht möglich, so füge ihnen wenigstens keinen Schaden zu."

Transzendenter Bodhisattva: Vollendeter, der Haß, Gier und Unwissenheit in sich vernichtet hat, Weisheit entwickelt hat und somit die Erlösung vom Daseinskreislauf verwirklicht hat; schiebt aber ein endgültiges Verlöschen (Parinirvana) auf, da es ihm die Wirkungsmöglichkeit in der Welt nehmen würde; zieht es vor, voller Mitgefühl freiwillig in der Welt zu bleiben und so lange Heilsbeistand zu leisten, bis alle Wesen erlöst sind; sein unerschöpflicher Schatz an karmischen Verdienst (Punya) setzt ihn instand, dem karmisch belasteten Heilssucher seine Last weitgehend abzunehmen und heilsames Karma auf ihn zu übertragen, um ihm raschere Erlösung zu ermöglichen; ist nicht mehr naturgesetzlichen Zwängen unterworfen; kann je nach beabsichtigter Hilfe jede erdenkliche Erscheinungsform annehmen, sich vervielfachen, an mehreren Orten gleichzeitig auftreten und in Gedankenschnelle jeden Platz der Erde erreichen. Bodhisattva Avalokiteshvara: umfassendes Mitgefühl

Bodhisattva Manjushri: Weisheit

Bodhisattva Vajrapani: Kraft

u.v.m

Bodhisattva-Ideal: beinhaltet die „Sechs Befreienden Qualitäten" (Paramitas), die der persönlichen Weiterentwicklung dienen:

1. Freigebigkeit

2. ethische Disziplin

3. Geduld

4. freudige Ausdauer

5. Konzentration (meditative Stabilität)

6. Weisheit

und die „Vier Mittel", deren Ziel die Weiterentwicklung der anderen ist:

1. Geben, was dringend benötigt wird

2. Stets sanft reden

3. Anderen ein aufrichtiger Ratgeber sein

4. Diese Grundsätze stets durch das eigene Beispiel veranschaulichen

Methode: (Naya) Ausdruck für alle Aspekte des spirituellen Wegs, die mit der Entwicklung des Mitgefühls und der Bodhisattva-Aktivitäten zu tun haben. Streben nach höchster Erleuchtung zugunsten aller Lebewesen, das getragen ist von Liebe und Mitgefühl.

Weisheit: (Prajna) Entwickeln von Einsicht in die Leerheit, die die wahre Natur der Dinge und Ereignisse ist. Die Abwesenheit aller falschen Vorstellungen darüber, wie die Dinge existieren.

Zu einem wahrhaft spirituellen Weg gehört die vollkommene Einheit von Weisheit und Methode.

Zwei Wahrheiten:

1. Letztendliche Wahrheit: Allen Dingen und Ereignissen fehlt es an wahrhafter Wirklichkeit und Identität.

2. Relative oder konventionelle Wahrheit: Alles, was wir in unserer gewöhnlichen Daseinsverfassung erleben (Geburt, Tod, Schmerz, Freude etc.).

Das Objekt und seine Leerheit sind eine Wesenheit.

Drei Körper: (Trikaya) Drei Körper eines Buddhas; legt dar, wie man im Mahayana die Natur der vollkommenen Erleuchtung (Buddhaschaft) versteht.

1. Dharmakaya: „Wahrheitskörper" - das Absolute; reines formloses Sein; der unbehinderte Geist eines Erleuchteten, frei von allen Schleiern, in meditativer Sammlung ausgerichtet auf Leerheit, bei gleichzeitiger Erfassung aller Dinge. (Gott)

2. Samboghakaya: „Körper der vollkommenen Freude" - seine Erscheinungsform für verwirklichte Bodhisattvas; feinstofflicher Körper, ist nur mit dem geistigen Auge wahrzunehmen (Heiliger Geist)

3. Nirmanakaya: „Emanations- oder Ausstrahlungskörper" - seine irdische Erscheinungsform für gewöhnliche Wesen; grobstofflicher Buddha-Körper; konkrete physische Manifestation eines Buddha in Form der wiedergeborenen Bodhisattvas; der Aspekt der Erleuchtung, der von gewöhnlichen Menschen wahrgenommen werden kann. (Sohn)

Leerheit: (Shunyata) philosophischer Schlüsselbegriff des Mahayana-Buddhismus. Personen oder Dingen ist kein wirkliches Dasein zu eigen. Abwesenheit aller falschen Vorstellungen darüber, wie die Dinge existieren. Das Fehlen der scheinbar unabhängigen Selbst-Existenz der Phänomene.

Reines Land: Zwischenstation auf dem Weg ins Nirvana. Durch die Kraft des Mitgefühls und der Weisheit eines Buddhas oder Bodhisattvas hervorgebrachte Umgebung. Man kann danach streben, dort wiedergeboren zu werden und kann dann den Weg zur Erleuchtung unter günstigeren Vorstellungen vollenden, z.B. in Buddha Amithabas Reinen Land Sukhavati. (v.a. in China und Japan verbreitet).

Tibetischer Buddhismus: vier große Schulen

1. Nyingma: älteste Schule des tibet. Buddh.; im 8. Jhdt. vom indischen Yogi Padmasambhava gegründet.

2. Sakya: im 11. Jhdt. gegründet; bekanntester Lehrer war Sakya Pandita (13. Jhdt.)

3. Kagyü: „mündliche Lehre"; im 11. Jhdt. von Marpa Lotsawa gegründet; brachte den berühmten Yogi Milarepa hervor. Oberhaupt ist der Karmapa (Schwarzhut-Lama).

4. Gelug: „die Tugendhaften"; reformierte Schule; im 14. Jhdt. von Tsongkhapa gegründet; „Stufenweg zur Erleuchtung" (Lamrim) mit den drei Hauptpfaden Entsagung, Bodhicitta und Leerheit (bzw. reine Sicht).

Vajrayana - das „unzerstörbare Fahrzeug": „Diamant-Fahrzeug"; „blitzschnelles Fahrzeug zur Erleuchtung"; esoterischer Aspekt des Buddhismus; geht auf Buddha Shakyamuni zurück; wichtigste buddh. Richtung in Tibet, Ladakh, Sikkim, Bhutan und Mongolei.

Vajra: Diamant; unerschütterliches, diamantgleiches Gewahrsein der Wirklichkeit, das den völlig erwachten Zustand der Erleuchtung kennzeichnet.

Yana: Fahrzeug, spiritueller Pfad

Tantra: „Gewebe, Kontinuum"; Lehren, Rituale und Übungen des Vajrayana-Buddhismus; auf den Tantra-Texten und der direkten Übertragung vom Meister auf den Schüler basierende Überlieferung. Durch Initiation durch einen tantrischen Meister ist es dem Schüler gestattet, die Praxis einer bestimmten Meditationsgottheit aufzunehmen (Ermächtigung).

Im Tantrismus gibt es z.T. die gleichen Auffassungen und Praktiken wie in der altindischen Drawida-Sekte (Göttinnen- und Erdreligion). Interaktion von weiblichen und männlichen Eigenschaften als Mittel zur Befreiung.

Neben zahlreichen Ritualen sind wichtige Bestandteile:

Mantras: „Schutz des Geistes"; Sanskrit-Silben, die in Verbindung mit der Praxis einer bestimmten Meditationsgottheit (Männl. oder weibl. Figur, die für einen bestimmten Aspekt der völlig erleuchteten Erfahrung steht und die als Brennpunkt der Konzentration und Identifikation im Tantra steht) rezitiert werden und die Eigenschaften dieser Gottheit in sich tragen; auch Zauberspruch

Mudras: „Siegel, Zeichen"; rituelle, symbolische Handhaltungen

Jantras und Mandalas: Kreisförmige Schaubilder; Symbol des ganzen Weltalls; Wohnstätte einer Meditationsgottheit, die als Ausstrahlung der Weisheit dieser Gottheit angesehen wird; wird als Objekt der Meditation verwendet.

Im Tantrismus ist Erleuchtung die Vereinigung von Weisheit (weiblich) und Mitgefühl (männlich).

Vier Klassen des Tantra:

1. Kriya: „Handlung"; die Glückseligkeit, die durch das Anschauen der Gottheit entsteht, wird auf dem Pfad zur Erleuchtung genutzt.

2. Charya: „Durchführung"; die Glückseligkeit, die entsteht, wenn man mit einer Gottheit lacht, wird für den Pfad zur Erleuchtung genutzt.

3. Yoga-Tantra: die Glückseligkeit, die durch Händehalten und Umarmung entsteht, wird auf dem Pfad zur Erleuchtung genutzt.

4. Annutta-Yoga: Höchstes Yoga-Tantra; durch diese Praxis kann man volle Erleuchtung innerhalb eines Lebens erlangen.

a) Erzeugungsstufe: der Übende entwickelt die klare Erscheinung und den göttlichen Stolz der persönlichen Meditationsgottheit, indem er sich als diese Gottheit visualisiert.

b) Vollendungsstufe: Kontrolle über den Vajra-Körper (Energiekörper) wird erlangt.

Sechs Yogas des Naropa: Lehren, die von den Übungen der Vollendungsstufe des Höchsten Yoga-Tantra handeln.

1. Lehre vom Inneren Feuer (Tummo): Inneres Feuer, innere Hitze; Übung, die dazu dient, die Energie in den Zentralkanal (Shushumna) zu bringen, so daß der Geist des Klaren Lichts erweckt wird.

2. Lehre vom illusorischen Körper: feinstofflicher Energiekörper in Form einer Gottheit in weißer Farbe

3. Lehre vom Traumzustand

4. Lehre vom Klaren Licht (Ösel): Allerfeinster Geisteszustand, den man erreicht, wenn man alle Energie im Zentralkanal aufgelöst hat, z.B. im Todesprozeß.

5. Lehre vom Zwischenzustand (Bardo): Zwischenzustand zwischen Tod und Geburt; es werden insgesamt sechs Bardos unterschieden, darunter drei, die mit dem Sterbeprozeß und der Wiedergeburt zusammenhängen.

6. Lehre von der Bewußtseinsübertragung: Methode, um das Bewußtsein zum Todeszeitpunkt in ein Reines Land zu überführen

Mandala der Fünf Buddhas:

Der Adi-Buddha (Ur-Buddha; Buddha des Urgrundes bzw. des allesumfassenden Raums, aus dem alles hervorgeht) brachte in seiner Meditation die fünf Transzendenten Dhyani-Buddhas hervor, die das „Mandala der Fünf Buddhas" bilden.

Adi-Buddha - Vairochana Akshobhya Ratnasambhava Amithaba Amoghasiddhi

 

5 Dhyani-Buddhas: auch Jinas (Sieger) oder Tathagatas (Vollendete) genannt, bilden das „Mandala der Fünf Buddhas"; es sind Meditationsbuddhas, die einen Aspekt des erleuchteten Geistes symbolisieren; stehen symbolisch für die völlig gereinigten Skandhas Form, Empfindung, Wahrnehmung, Willensäußerung, Bewußtsein.

1. Vairochana: Dhyani-Buddha des Mittelpunkts, der Mittleren Weltgegend; "Der Sonnengleiche"; die Weisheit an sich (Dharma-Dhatu); Buddha der alldurchdringenden Weisheit und des aus der Leere gehobenen Wissens; Durchschauen des Samsara und die Erkenntnis der wesenhaften Erlöstheit durch Weisheit; Dhyani-Buddha des Zentrums, der von den vier Buddhas der Außenrichtungen eingerahmt wird; kombiniert die Qualitäten aller anderen Richtungsbuddhas; wird als deren "Vater" angesehen; repräsentiert die völlig gereinigte Form; Farbe = Weiß

2. Akshobhya: Verkörperung der spiegelklaren Weisheit; "der Unerschütterliche"; repräsentiert die völlig gereinigte Wahrnehmung; Dhyani-Buddha der östlichen Richtung; Farbe = Blau

3. Ratnasambhava: Verkörperung der Weisheit vom Gleichsein; Personifikation der Freigebigkeit; "aus dem Juwel geboren, der Juwelgeborene"; sein "Denkedelstein" Cintamani erfüllt seinem Besitzer Ratnasambhava jeden Wunsch und gibt ihm die Fähigkeit, den sich ihm in finanzieller Not zuwendenden Gläubigen aus materieller Not zu befreien; Herrscher über das Urelement Feuer; Dhyani-Buddha der südlichen Richtung; repräsentiert die völlig gereinigte Empfindung; Farbe = Gelb

4. Amithaba: Verkörperung der unterscheidenden Weisheit; "Der vom unbegrenzten, unfaßbaren Licht", "Der von unermeßichen Glanz"; Dhyani-Buddha der westlichen Richtung; repräsentiert das völlig gereinigte Bewußtsein; Farbe = Rot

5. Amoghasiddhi: Verkörperung der Alles vollendenden Weisheit; "Allmächtiger Beherrscher des Samsara-Seins", " Der von unfehlbarer Zaubermacht", "Der unfehlbar Erfolg bringt"; Herrscher über das Urelement Erde; Dhyani-Buddha der nördlichen Richtung; repräsentiert die völlig gereinigte Willensäußerung; Farbe = Grün

Von allem Bösen abzustehn,

das Heilsame zu mehren,

auf Läuterung des Geists zu sehn:

Das ist´s, was Buddhas lehren.

(Dhammapada 183)

Buchtipps:

Barraux, Roland: Die Geschichte der Dalai Lamas, Patmos Verlag

Boucher, Sandy: Die Entfaltung des Lotos - Der weibliche Weg zum Buddhismus, Droemersche Verlagsanstalt

Buddha Gautama: Der Pfad der Vervollkommnung, Scherz Verlag

Chögyam Trungpa (Hrsg.) Das Totenbuch der Tibeter, Diederichs Gelbe Reihe

Chökyi Nyima Rinpoche: Das Bardo-Buch, O.W. Barth Verlag

Conze, Edward: Eine kurze Geschichte des Buddhismus, Suhrkamp Taschenbuch

Dalai Lama: Das Auge der Weisheit - Grundzüge der buddh. Lehre für den westlichen Leser, O.W. Barth Verlag

Dalai Lama: Das Herz aller Religionen ist eins, Hoffmann und Campe

Dalai Lama: Die Regeln des Glücks, Lübbe Verlag

Dalai Lama: Einführung in den Buddhismus, Aquamarin Verlag

David-Neel: Die geheimen Lehren des tibetischen Buddhismus, Adyar Verlag

Evans-Wentz, Walter: Geheimlehren aus Tibet, Heyne Verlag

Hopkins, Jeffrey: Der tibetische Buddhismus, Diamant Verlag

Hopkins, Jeffrey: Tantra in Tibet, Diederichs Gelbe Reihe

Kennedy, Alex: Was ist Buddhismus, Scherz Verlag

Lama Anagarika Govinda: Buddhistische Reflexionen, Fischer Verlag

Lama Anagarika Govinda: Grundlagen tibetischer Mystik, O.W.Barth Verlag

Lama Dagsay Tulku, Das Praxisbuch der Tibetischen Meditation, Bauer Verlag

Lama Thubten Yeshe: Die Grüne Tara - Weibliche Weisheit, Diamant Verlag

Lama Thubten Yeshe: Gedanken eines tibetischen Lama über Weihnachten, Theseus Verlag

Lama Thubten Yeshe: Inneres Feuer, Diamant Verlag

Lama Thubten Yeshe: Vajrasattva - Heilung und Transformation im Tibetischen Tantra, Diamant Verlag

Lama Thubten Yeshe: Wege zur Glückseligkeit, Diamant Verlag

Levine, Norma: Der Kreis des Lebens - Ein Begleiter durch das buddh. Jahr, O.W. Barth Verlag

Mackenzie, Vicki: Im Westen wiedergeboren, Diamant Verlag

Schneider, Ulrich: Der Buddhismus - Eine Einführung, Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Schumann, Hans Wolfgang: Buddhistische Bilderwelt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Schumann, Hans Wolfgang: Mahayana-Buddhismus, Diederichs Gelbe Reihe

Tenzin Wangyal: Der kurze Weg zur Erleuchtung, Fischer Verlag

Thubten Jigme Norbu: Geheimnisvolles Tibet; Herder Spektrum

Yeshe Tsogyal: Der Lotosgeborene im Land des Schnees, Fischer Taschenbuch Verlag