Mit Irrwurz auf Entdeckungsreise

 

 

Engel in der Theatinerkirche in München

ANGELOLOGIE

Engel: aus griechisch angelos = Bote

Zu Grunde liegt das hebräische malak = (Gottes) Bote

Alle Kulturen nehmen die Existenz von Geistwesen jenseits der menschlichen Ebene an. Visionen geflügelter Geister sind in der ganzen Welt verbreitet, sowohl in den schamanischen Kulturen wie auch in den organisierten Religionen. Die christliche, jüdische, islamische, hinduistische und buddhistische Überlieferung kennt eine Vielzahl von Geistwesen.

Engel führen, trösten, mahnen, warnen. Sie wollen unser Glück, Wohlergehen und Frieden der Völker. Engel meinen es gut mit uns.

In der Anfangsphase des Menschen gingen Sichtbares und Unsichtbares ineinander über. Urerinnerungen an die feinstoffliche Welt sind von Clan zu Clan über Generationen weitergegeben worden. Die Strafe für den Sündenfall war der Verlust der feinstofflichen Wahrnehmung.

Altertum: dialogisches Menschenbild: Ich - Du (Gott, Engel, Spirits...). Engel waren groß und mächtig ("Fürchtet euch nicht!"); der Mensch kam sich klein vor.

Moderne: monologisches Menschenbild: Ich - Ich; Egozentrismus; kein Platz für Gott oder die Engel. Der Mensch macht sich immer größer; meint, er beherrscht die Welt. Engel schrumpfen zu Kitsch-Nippes.

Mesopotamien: um 2250 v. Chr.; bildliche Darstellungen von geflügelten Himmelswesen; Vorstellung geflügelter Wesen als Mittler zwischen Göttern und Menschen

Sumer: Todesgöttin Lilith mit Flügeln (ca. 2000 v. Chr.)

Babylonier: um 1800 v. Chr.; glaubten, daß jeder Mensch einen Schutzengel hat. Ein geflügelter Gott verteidigt den geordneten Kosmos gegen das Chaos.

Ägypten: Gottheiten und Schutzgenien mit Flügeln; Beschreibung von geflügelten, göttlichen oder gottgleichen Wesen in den Kulten der Isis und des Osiris. Die Flügel sind meist nicht separat am Rücken, sondern in Form von Federreihen an den Armen angesetzt.

Zoroastrismus: Yazata ("Verehrungswürdige") als Schutzgeister; jeder Tag im monatlichen Kalender ist einem Yazata zugeordnet. Malakhim sind Boten von Gottes sittlichem Willen an die Menschen.

Buddha: hielt seine erste Predigt vor Devas und Brahmas (Halbgötter und Götter)

Griechen: stellten auf Vasenbildern Engel dar; Götterbote Hermes (röm. Merkur) mit seinem Flügelhelm; Vorstellung einer mit Vogelschwingen geflügelten Siegesgöttin Nike (ca. 450 v. Chr.)

Judentum: anfangs gab es nur Gott und den Menschen. Bildliche Darstellungen von geflügelten Gotteswesen sind möglicherweise durch Kontakte mit persischer Kultur entstanden. Übernatürliche Wesen, die Gott im Himmel zur Seite stehen, aber streng von Gott (Jahwe) zu unterscheiden und diesem untergeordnet sind. Sie können gelegentlich ausgewählten Menschen Gottes Willen offenbaren. Mit der Zeit rückte Gott immer mehr in die Ferne. Zwei Engelsskulpturen schmückten den Tempel Salomos.

Altes Testament: Engel wurden als „Söhne Gottes, nie Schlafende, Lebendige, feurige Steine, Morgensterne, Augen Gottes, Feuerfackeln, starke Helden, die Gewaltigen usw." bezeichnet. Hier gab es wohl nur männliche Engel. Im AT gibt es ca. 120 Textstellen über Engel. Die meisten stammen aus dem Spätjudentum.

Buch Henoch (Apokryphen, 3. Jahrhundert v. Chr.) Beschreibung einer "Reise in die zehn Himmel": Engel, ihre Namen, Aufgaben und charakteristischen Eigenschaften.

Jubiläenbuch: (Apokryphen, 3. Jahrhundert v. Chr.) Engel und ihre Aufgaben; das Universum ist von Engeln bewohnt und belebt. Es gibt Engel für Himmel, Wetter, Jahreszeiten (=> Anklang an naturreligiöse Vorstellungen, daß alles in der Natur geistig beseelt ist). Daher kommen Landkarten mit Blasengel in die vier Himmelsrichtungen

Das Buch Tobit (2. Jahrhundert v. Chr.) beschreibt das Wirken des Engels Raphael. Raphael stellt sich hier selbst mit Namen vor.

Psalmen: Aufgabe der Engel ist es, mit der ganzen Schöpfung das Gotteslob (Gloria Dei) zu singen.

Neues Testament: an 175 Stellen werden Engel erwähnt; Apostel übernahmen Engellehre aus dem AT

Engel Gabriel, der die Geburt Johannes des Täufers und auch Jesu Geburt ankündigte

Engel, der Josef erklärte, was er tun solle

Engel, die vor den Hirten bei Jesu Geburt erschienen

Engel, die Jesus auf seinem Weg in die Wüste beistanden

Engel, der Petrus aus dem Gefängnis befreit hat

Jakobusevangelium: (Apokryphen) bei Josephs Tod geleiten Michael und Gabriel seine Seele in die "Wohnung der Gerechten"

Römer: Amoretten und Putten mit Flügeln

Islam: Engel (arabisch al-Mala'ika) als Mittler zwischen Gott und der physischen Welt; Boten Allahs; Gabriel übermittelte Mohammed den Koran. Bereits im vorislamischen Arabien glaubte man an Engel.

Frühchristliche Kunst: Engel als Jünglinge und noch ohne Flügel; meist mit einer weißen Tunika bekleidet. Gotik: Engel werden als Jünglinge dargestellt; entweder prachtvoll gekleidet oder mit schlichten Mönchskutten; mit mächtigen Schwingen und einem Heiligenschein. In der Spätgotik auch Darstellungen von Erzengeln als kämpferische Schutzpatrone in zeitgenössischer Rüstung.

Mittelalter: es wurde, wie in allen früheren Zeiten, geglaubt, daß der Himmel und der gesamte Kosmos lebendig seien. Der Himmel war von unzählbaren bewussten Wesenheiten bevölkert.

Renaissance: mit der Verkündigung an Maria oder Weihnachtsszenen sind v.a. der Engel Gabriel oder Gruppen von „jauchzenden Engeln" zu sehen.

Barock: Engel werden weiter majestätisch und prachtvoll dargestellt es werden aber auch die auf griechische und byzantische Vorbilder zurückgehende Kinderengel (Putten) sehr populär.

Neuzeit: durch die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert wurde das Universum mechanisiert (Descartes). Es bestand nur noch aus gewöhnlicher Materie, die sich nach Newtons Gesetzen bewegt. In einer solchen mechanistischen Welt haben Engel keinen Raum. Eine nach den Naturgesetzen funktionierende Welt braucht keine Engel mit Sphärenmusik im Kosmos. Engel wurden trivialisiert und in der Kunst als dicke Babys dargestellt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt man Engel oft als weibliche Wesen dar, nicht mehr als Jünglinge.

Jetzt: abgelöst wurde die mechanistische Vorstellung durch die evolutionäre Kosmologie der modernen Physik: ein schöpferisches Universum, das sich ständig weiterentwickelt. Mit der Wiederkehr einer lebendigen Kosmologie kommen auch die Engel zurück, denn sie sind Teil jeder gesunden Kosmologie.

Wodurch zeichnen sich Engel aus?

Engel sind mächtig und Ehrfurcht gebietend: „Fürchtet euch nicht!"

Engel sind verstehende Wesen. Sie haben direkte Einsichten in das Wesen der Dinge. Engel erkennen durch Intuition die Gedanken und erreichen alles intuitiv und unmittelbar. Sie sind Meister der Intuition und können so unserer Intuition unterstützen (siehe Beziehung zwischen Engeln und Künstlern).

Engel haben viel mit Prophetie zu tun.

Engel erfüllen den Willen Gottes.

Engel haben Teilwissen, je nach Aufgabe. Nur Gott hat Allwissenheit.

Engel sind liebevoll. Ihr Wissen ist Herzenswissen – Weisheit, nicht bloße Kenntnis.

Engel haben ernsthafte kosmische Pflichten zu erfüllen: eine der Aufgaben ist der Lobpreis, die Anbetung. Wo immer angebetet wird, tauchen die Engel auf. Der Teufel betet nicht an, und das unterscheidet ihn von den Engeln.

Engel sind Mittler und Mitarbeiter von uns Menschen. Um unsere göttliche Arbeit zu tun, haben wir unsichtbare Helfer, die Engel. „Wir tun Gottes Werke gemeinsam mit den Engeln" (Thomas v. Aquin)

Engel mischen sich nicht in unsere Entscheidungen. Sie können uns helfen, können uns aber in keiner Weise unsere eigenen Entscheidungen abnehmen.

Engel können unsere Stimmen hören und Gedanken lesen - wenn wir es wollen. Kein Engel kann ohne unsere Erlaubnis in unseren Kopf kommen.

Engel sind ihrer Natur nach in der Mitte zwischen Gott und den Menschen.

Engel geben göttliche Geheimnisse und Wahrheiten weiter.

Engel verkünden die göttliche Stille, die aus Meditation und Kontemplation hervorgeht. Stille ist einer der Wege, das Herz zu öffnen und das Göttliche zu uns sprechen zu lassen.

Engel sind Verbindende, Verwaltende und Boten, die uns Menschen in die Sphären der kosmischen Kräfte einbinden.

Engel machen Menschen glücklich. Einem Engel zu begegnen heißt, glücklich zurückzukommen. „Glück besteht darin, etwas zu begreifen, das größer ist als wir selbst. Und Ehrfurcht, Staunen und die Macht der Engel sind von dieser Art. Sie rufen uns auf, selbst größer zu werden." (Thomas v. Aquin)

Engel haben keine physischen Körper, können aber zeitweilig das Aussehen von menschlichen oder anderen Körpern annehmen, um sich Menschen mitzuteilen oder ihnen zu helfen.

Die Menge der Engel ist für uns unzählbar. „Die Engel sind zahlreicher als Sandkörner auf der Erde." (Meister Eckhart) Jeder der unzählbaren Engel ist anders.

Engel treten meist in Gruppen auf (Engelschar).

Engel beschützen nicht nur uns Menschen, sondern die ganze Erde und alle Geschöpfe.

Engel waren die ersten, die das göttliche Licht empfangen haben. Sie sind seit Anbeginn des Universums da.

Engel existieren in hierarchischer Ordnung.

Engel bleiben in ihrer Kategorie und bei ihren Aufgaben.

Engel entwickeln sich weiter und lernen.

Alle Engel sind gleich intelligent.

Engel besitzen erzeugende, leben spendende Kräfte. Alle Wesen haben Anteil an den Engelkräften, und Engel durchdringen alles.

Engel haben vielfältige Funktionen in ihren Beziehungen zu Menschen, wozu die Inspiration, das Überbringen von Botschaften, der Schutz und die Führung gehören. Sie haben das wirkliche Interesse, der Menschheit zu helfen und zu dienen.

Engel sind beim Tode des Menschen anwesend. Sie waren vor unserer Existenz schon da und warten auf das Ende, um den Menschen mit sich auf eine andere Ebene zu tragen.

Engel haben nicht nur mit Menschen zu tun (Schutzengel), sondern auch mit Ländern und Völkern.

Engel sind allgegenwärtig. Sie sind Teil des großen Werkes des sich entfaltenden Universums.

Engel teilen sich Menschen durch Telepathie, Intuition und Träume mit.

Engel wachen nachts über uns, weil wir da am verwundbarsten sind; sie stehen um unser Bett herum.

Engel nehmen dem Menschen seine Einsamkeit.

Engel können unser Zellgedächtnis ändern bzw. löschen (Erinnerungen an vergangene Krankheiten).

Engel sind bei Gottesdiensten anwesend. Gottesdienst öffnet die Kommunikationskanäle zwischen Engeln und Menschen in Lobpreis und Verehrung der Gottheit. Auch Gebete und heilige Stille ziehen Engel an. Engel sind gerne da, wo göttliche Tätigkeit ist.

Engel freuen sich mit uns an Musik.

Engel besitzen eine harmonische Natur und arbeiten in harmonischen Beziehungen miteinander.

Engel beleben und vertiefen Freundschaft und Liebe.

In unserem Gewissen und unseren Entscheidungen handeln sowohl gute als auch böse Engel. Beide nehmen ihren Einfluss auf unsere moralische Entscheidungsfindung. Deshalb ist es wichtig, mit den guten Engeln bewusst zu beten, damit sie uns unterstützen und sich gegen die bösen Engel wenden.

Engel konnten direkt nach ihrer Erschaffung die Entscheidung treffen zwischen Liebe und Stolz bzw. Neid. Die Sünde der gefallenen Engel hat mit Arroganz und dem Missbrauch von Wissen und Macht zu tun.

Bei Engeln gibt es keine Hemmung, sondern sie streben mit ihrer ganzen Kraft auf ihr Ziel hin, sei es gut oder böse. Nichts kann einen Engel hindern.

Gegenthese: Es gibt keine dunklen, gefallenen Engel; Engel kämpfen gegen das Böse, sie sind immer reine Liebe.

Aussage von Erzengel Gabriel in Bezug auf Luzifer: "Er ist einer unserer Brüder. Er war nie von uns getrennt."

"Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest."

Psalm 91, 11 und 12

LITERATURHINWEISE

Matthew Fox, Rupert Sheldrake: Engel – Die kosmische Intelligenz, Bechtermünz Verlag

Petra Schneider, Gerhard K. Pieroth: Engel begleiten uns – Erzengel und Erdengel sind an unserer Seite, Windpferd Verlag

Alexa Kriele: Wie im Himmel so auf Erden, Einführung in die christliche Engelkunde, Heyne Verlag

Francis Melville: Engel, Bassermann Verlag

Wulfing von Rohr: Die Kraft der Engel, Urania Verlag

Elisabeth Glotzmann: Vom Geheimnis der Engel, Verse und Malereien Alter Meister, Kleine Bibliothek, Flechsig Verlag

Sananta: Lichtmeditationen mit Engeln und Aufgestiegenen Meistern, Band 1 und 2, R. Lippert Verlag

Pennys McLean: Zeugnisse von Schutzgeistern, Alltag mit Schutzgeistern, Kontakte mit Deinem Schutzgeist, Verlag Peter Erd

Peter Michel: Das große Buch der Engel, Aquamarin Verlag

Elisabeth Constantine: Kristallheilung mit den Erzengeln, Heyne Verlag

Trudi Thali: Lichtbahnen Selbstheilung, Windpferd Verlag

Doreen Virtue: Die Heilkraft der Engel, Ullstein Verlag

Doreen Virtue: Das Heilgeheimnis der Engel, Ullstein Verlag

Chrissie Astell: Die schützende Kraft der Engel, Kailash Verlag

Richard Webster: Die großen Erzengel (Buchreihe über die wichtigsten Erzengel), Aquamarin Verlag

Eva-Maria Mora: Quantum Engel Heilung, Ansata Verlag

Jeanne Ruland: Das große Buch der Engel, Schirner Verlag

Gossamer Penwyche: Die Welt der Engel, Bassermann Verlag

Pater Alessio Parente: Schick mir deinen Schutzengel (über Padre Pio), Edizioni Padre Pio da Pietrelcina

Jutta Fuezzi, Wulfing von Rohr: Die Botschaften der Engelzahlen - Himmlische Numerologie, Heyne Verlag

Diana Cooper: Der Engel-Ratgeber, Ansata Verlag

Sylvia Browne: Engel an deiner Seite, Goldmann Verlag

Alfred Läpple: Engel - Die Boten Gottes in Natur und Glauben, Sankt Ulrich Verlag